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Gattung Lagenodelphis

Aus wissenschaftlicher Sicht handelt es sich bei der Gattung Lagenodelphis um eine recht junge Gattung, die eigens für den einzigen Vertreter ihrer Art, den Borneodelfin oder Fraserdelfin (Lagenodelphis hosei), in den 60er Jahren geschaffen wurde. Hergeleitet wurde die Bezeichnung von den Gemeinsamkeiten der Art mit dem Kurzschnauzendelfin (Lagenorhynchus) und dem Gemeinen Delfin (Delfinus delphis). Seit 1973 zählt man den Borneodelfin auch zu den Verwandten der Fleckendelfine (Stenella).

Ausgewachsene Borneodelfine erreichen eine Größe zwischen 2 und 2,7 Metern. Das Gewicht pendelt sich zumeist zwischen 170 und 200 kg ein. Farblich erinnert der Borneodelfin deutlich an den Gemeinen Delfin: Das Cape ist dunkelgrau, blau-grau bis schwarz, die Bauchseite hell mit einem Stich ins Rosafarbene. Die sichelförmige Finne, die schmalen Flipper und die mittig gekerbte Fluke sind bei dieser Delfinart allerdings deutlich kleiner.

Darüber hinaus verfügt der Borneodelfin über eine Zeichnung, bei der von der Melone bis zur Schwanzwurzel ein heller Streifen zieht. Von der kurzen Schnauze ausgehend fällt hingegen ein sich verästelnder, dunkler Streifen auf, dessen einer Strang hinunter zu den Flippern, der andere über die Augen hinweg an den Seiten entlang zum Anus führt. Beide Streifen gehen an den Endstellen in die vorliegende Färbung über.

Da der Borneodelfin als Lebensraum die Hochsee bevorzugt und als relativ scheu im Vergleich zu anderen Delfinarten gilt, weiß man bis heute nicht viel über die Lebensweise dieser Tiere. Bislang konnte man ihn jedoch nur innerhalb der 40. Breitengrade südlich und nördlich des Äquators beobachten. Als häufig gilt er dabei in allen Hochseeregionen, die eine Tiefe von rund 1000 Metern aufweisen. Dort jagen sie vorrangig nachts in bis zu 500 Metern Tiefe vor allem Fische, Tintenfische und Krebstiere.

Als gute Schwimmer und Taucher erreichen Borneodelfine Geschwindigkeiten von bis zu 28 km/h, sind aber durchschnittlich nur mit rund 5 bis 7 km/h unterwegs. Zumeist bilden sie mittelgroße bis große Schulen, was eine Zahl von einigen hundert oder tausend Individuen bedeutet. Gleichzeitig schließen sie sich mit anderen Vertretern der Delfinfamilie wie beispielsweise dem Rundkopfdelfin, dem Großen Tümmler, dem Kurzflossen-Grindwal oder dem Breitschnabel-Delfin zusammen.

Weitere Erkenntnisse aus dem Leben des Borneodelfins sind nur vage bekannt, da die notwendigen Forschungen bislang ausblieben, zumal alle bisher in Gefangenschaft gehaltenen Tiere nach wenigen Wochen eingingen. Man geht jedoch davon aus, dass ein ausgewachsener Borneo-Delfin mit ungefähr sieben Jahren die Geschlechtsreife erreicht. Die Paarungszeit im Sommer lässt im kommenden Jahr (nach 11 bis 12 Monaten) ein Kalb von ungefähr 80 Zentimetern zur Welt kommen, welches für rund zwei Jahre in der Obhut des Muttertiers verbleibt.