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Klonen von Sauriern

Die Dinosaurier sind ausgestorben, sie werden nie wieder auf der Erde leben – das hatten lange Zeit viele Menschen geglaubt, bis ein paar wenige Forscher auf eine geniale Idee kamen: Dinosaurier, so ihre Theorie, lassen sich auch im Reagenzglas züchten. Man müsste nur eine gut erhaltene DNA eines Dinosauriers haben. Aber woher soll man solch eine DNA nehmen?

Das Prinzip ist relativ simpel: Auch vor 200 Millionen Jahren gab es Mücken und die waren damals schon so lästig wie heute, sie stachen die Dinosaurier und saugten ihr Blut auf. Manchmal kam es vor, dass eine solche Mücke, noch bevor sie das Blut verdauen konnte, am Harz eines Baumes hängen blieb. Im Laufe der Zeit wurde dieses Harz von Erde und Gestein bedeckt, in tieferen Erdschichten wurde es durch Druck und unter Luftabschluss entwässert. Schließlich oxidierten die Kohlenstoffmoleküle und aus dem Harz wurde Bernstein.

In relativ vielen Bernsteinen kann man eingeschlossene Tiere finden, so z. B. Gliederfüßer, Fliegen, Libellen, Ohrwürmer, Termiten, Heuschrecken, Flöhe, Asseln, Krebstiere, Spinnen, Würmer, Schnecken, aber auch Vogelfedern und Haare von Säugetieren. Auch eine im Bernstein eingeschlossene Eidechse konnte man schon finden. Von besonderem Interesse für die Forscher sind jedoch die Mücken, die noch das Blut und damit die DNA der Saurier enthalten.

Haben die Forscher eine solche Mücke gefunden – so die Theorie –, wird sie ihrer letzen Mahlzeit entledigt. Die Erbinformation könnte man beispielsweise in ein Straußenei einpflanzen, aus dem dann der neue Dinosaurier schlüpfen würde. Ist das nun pure Science-Fiction?

Die Erforschung der im Bernstein eingeschlossenen Mikroorganismen hat zumindest schon einige neue und überraschende Erkenntnisse geliefert. So stellte man zum Beispiel fest, dass die Mikroorganismen, die es vor 200 Millionen Jahren auf der Erde gab, kaum von den heute lebenden zu unterscheiden sind. Amöben, Pilze, Wimpertierchen oder Algen haben sich im Laufe der Evolution kaum weiter entwickelt. Die Ursache dafür sieht man darin, dass die Tiere nicht dem Evolutionsdruck ausgesetzt waren, wie das bei großen Tieren und Pflanzen der Fall ist. Der Lebensraum der Mikroorganismen hat sich kaum verändert, feuchte Baumrinden gab es beispielsweise schon vor 200 Millionen Jahren.

Doch ist die „Wiederbelebung“ der Saurier wirklich möglich? Gerade in den 1990er Jahren war die Euphorie groß, dass dies wirklich gelingen könnte. Etwa zur selben Zeit, als der Film „Jurassic Park“ herauskam, machten Forscher sensationelle Entdeckungen: Sie fanden eine in Bernstein eingeschlossene Termite, die etwa 25 Millionen Jahre alt war. In ihrem Innern entdeckte man Reste von DNA. Wenige Monate später ein weiterer sensationeller Fund: Man fand in einem Bernstein die 130 Millionen Jahre alte DNA eines Rüsselkäfers. Doch viele Forscher waren skeptisch – zu Recht. Denn DNA-Moleküle gelten als äußerst instabil. Die Erfahrung zeigte bisher, dass DNA-Moleküle innerhalb von etwa 10.000 Jahren zerfallen. Nur in wenigen Gebieten der Erde ist der Bernstein so gut „gelagert“ worden, dass die DNA-Moleküle längere Zeit unbeschadet überstehen könnten. So war der Bernstein im Ostsee-Raum zum Beispiel nie sehr hohem Druck ausgesetzt, er war dort nur in lockere Sedimente und nicht im Gestein eingebettet. Wenn man je Dinosaurier-DNA finden wird, dann wahrscheinlich dort. Umfangreiche Forschungen wurden hier aber bis dato noch nicht durchgeführt.

Doch die Forschung bietet noch weitere Perspektiven: Auch wenn wir die ausgestorbenen Dinosaurier nicht wieder auf der Erde ansiedeln können, so können wir dennoch Tierarten, die heute vom Aussterben bedroht sind, auch dadurch schützen, indem wir ihre DNA tiefgekühlt lagern. Diese Tiere könnten tatsächlich wieder im Reagenzglas gezüchtet werden. Doch dies ist ein Wettlauf mit der Zeit, von vielen heute bedrohten Arten gibt es nur noch wenige Exemplare.