Grundlagen der Welpenerziehung

Junge, gesunde Hunde sind mitunter sehr entdeckungsfreudig und aktiv. Häufig geschehen hierbei viele witzige Situationen und auch kleine Missgeschicke. Sofern keine ernsten Gefahren auftreten, erfährt ein Welpe beim Erkunden und Spielen im Laufe der Zeit seine Möglichkeiten und Grenzen. Wir zeigen hier die Grundlagen für die Erziehung des Hundewelpen sowie praktische Tipps zum Umgang mit jungen Hunden.

Die Erziehung von Hundewelpen

Eine Hundemutter erzieht instinktiv ihre Jungen, um sie in Sicherheit und Wohlbefinden zu wiegen. Auch im Kontakt mit den Menschen in seiner Umgebung lernt ein junger Hund viel. Im besten Falle passiert diese Erziehung bewusst und reflektiert. Denn Hundehalter können im Umgang mit Welpen ebenso reichlich Fehler machen, die es zu vermeiden gilt.

Verstärkung und Bestrafung sind dabei mögliche Mittel zur Erziehung, die in verschiedenen Formen Anwendung finden. Allerdings gibt es dabei qualitative Unterschiede in der Wirkung auf den Hund.

Gewaltfreie Erziehung für Hunde

Eine Erziehung des Hundes ganz ohne Gewalt ist kaum möglich. Schon das Führen an der Leine setzt dem freien Willen des Hundes Grenzen und zählt per Definition schon als Gewalt. Hier geht es uns also eher darum, dem Hund gegenüber nicht aggressiv aufzutreten und geeignete Erziehungsformen zu wählen. Es macht nämlich einen großen Unterschied, ob man Verhalten des Hundes positiv oder negativ verstärkt oder bestraft. Positiv bedeutet in diesem Zusammenhang, etwas hinzufügen – beispielsweise eine Belohnung oder eine Strafe. Negativ heißt hier, etwas wegzulassen oder wegzunehmen.

Um vom Hund ernstgenommen zu werden, ist weniger die Stärke der Strafe oder der Verstärkung ausschlaggebend, sondern wie souverän und kompetent man insgesamt im Alltag auf seinen Hund wirkt. Auch ein besonderer Tonfall, Mimik und Gestik reichen aus, um mit dem Hund zu kommunizieren.

Den Hund anzuschreien, Schmerzen verursachen und das Zufügen von Verletzungen sind keine geeigneten Erziehungsmethoden. Zudem verstößt man damit gegen geltende Tierschutz-Ethik und -Gesetze.

Für Situationen, in denen der Hund getadelt werden soll, empfehlen sich Abbruchkommandos, wie „Aus!“ oder „Pfui!“

Man sollte dem Hund bei unerwünschtem Verhalten zudem eine Alternative anbieten. Denn meist hat das Verhalten des Hundes einen tieferen Sinn. Wenn junge Hunde zahnen, brauchen sie zur Linderung von Juckreizen im Maul etwas zum Herumkauen. Kaut der Hund die Schuhe an, ist beispielsweise ein Ochsenziemer oder ein Kauspielzeug als Alternative empfehlenswert.

Hunde bestrafen

Oftmals trägt der Mensch selbst stark zum „Fehlverhalten“ bei, durch ungenaue oder unsichere Kommunikation, eigene Unruhe, Ungeduld oder Stress. Bevor ein Hund bestraft wird, weil er sich „falsch“ verhalten hat, sollte man daher nach den Ursachen suchen. Hunde tun Dinge normalerweise nicht, um uns zu ärgern oder weil sie böswillige Motive verfolgen. Manche Verhalten sind auch auf Krankheiten oder Hormonstörungen zurückzuführen.

Aversive Trainingsmethoden, die Hunde zutiefst verunsichern und verängstigen können, führen zu noch mehr unerwünschten Verhaltensauffälligkeiten. Solche Mittel sind beispielsweise Schläge, Tritte, Niederwerfen, Stachelhalsbänder oder Stromschläge. Die Folgen reichen von Angststörungen über Depressionen bis hin zu Aggressionen dem Menschen gegenüber.

Bei Strafen spielt zudem der Zeitpunkt eine wichtige Rolle: Kommt die Strafe zu spät oder zu heftig, verschreckt man den Hund und er kann den Zusammenhang nicht verstehen. Dann leiden Bindung und Vertrauen in der Mensch-Hund-Beziehung.

Bei Hunden ist positive Strafe verbal oder körperlich möglich, beispielsweise in Form von Anschreien, Schlagen, Treten, Zwicken, an der Leine rucken, Wasser auf den Hund schütten oder einen Gegenstand nach ihm werfen. Hierbei wird dem Hund absichtlich etwas Unangenehmes zugefügt. Er erschreckt sich, wird eingeschüchtert oder leidet sogar Schmerzen.

Bei negativer Strafe wird dem Hund etwas Angenehmes weggenommen. Je nach Situation kann dies der Entzug einer Belohnung wie Spielzeug, Futter oder Zuwendung und Aufmerksamkeit sein. So soll der Hund lernen, dass sich sein Verhalten nicht lohnt.

Verhalten des Hundes bestärken

In der positiven Verstärkung folgt auf ein erwünschtes Verhalten des Hundes eine für ihn angenehme Konsequenz. Zum Beispiel setzt sich der Hund beim Kommando „Sitz“ und bekommt zur positiven Verstärkung ein Leckerli.

Negative Verstärkung ist nicht mit Bestrafung zu verwechseln. Ein negativer Verstärker wirkt auf gewisse Art als Belohnung und hat einen gewünschten Verhaltensaufbau zur Folge.

Ein Beispiel: Beim Abendessen bettelt der Hund am Tisch. Daraufhin „straft“ man ihn mit einem finsteren Blick und einer angespannten Körperhaltung. Für den Hund ist dies unangenehm. Geht er von Tisch weg, löst man den düsteren Blick und entspannt sich wieder. Der Hund deutet dies als gut und lernt, den bösen Blick zu vermeiden, indem er dem Tisch fernbleibt.

Unsere Haltung zu den Erziehungsmethoden

Am besten versucht man ein gutes Mittelmaß zwischen positiver und negativer Verstärkung zu finden und achtet ansonsten auf liebevolle Konsequenz. Ein aggressiver, nachlässiger oder unsicherer Besitzer verwirrt die jungen Hunde – das führt zu unerwünschten oder sogar gefährlichen Verhaltensweisen, die sich später nur mit viel Aufwand wieder abgewöhnen lassen.

Erziehung beginnen: Der richtige Zeitpunkt

Eine liebevolle und konsequente Welpenerziehung ist grundlegend für das harmonische Zusammenleben zwischen Hund und Mensch. Lernen Hunde von Anfang an ihre Position in der Familie und ihre Grenzen kennen, wirkt sich dies auch auf die gesunde Entwicklung des Hundes aus. Hunde sind Rudeltiere und brauchen für ihr seelisches Wohlbefinden klare Strukturen und Regeln. Mit der Erziehung kann man daher nicht zu früh beginnen. Jedoch ist auf einen altersgemäßen Umgang zu achten. Wie auch beim Menschen benötigen manche Dinge eben Zeit und ein gewisses Entwicklungsstadium, damit sie der Hund lernen und verstehen kann.

Kommunikation ist alles

Nicht nur muss der Hund den Menschen verstehen können – auch wir müssen lernen, die Ausdrucksarten des Hundes einzuschätzen. Hunde sind hochsoziale Wesen mit außerordentlichen Fähigkeiten. Das Repertoire an Kommunikationsmöglichkeiten ist größer, als man Hunden gemeinhin zutraut. Die Hundesprache können Besitzer lernen, indem man den Hund mit einem gewissen Einfühlungsvermögen beobachtet. Die Herausforderung besteht nicht nur in der Vielfalt der Signale, sondern auch in der Deutung. Oftmals erliegen wir der Versuchung die Signale „auf Menschenart“ zu interpretieren und unseren Hund zu vermenschlichen.

Hunde können weitaus mehr Lautsignale geben, als nur zu Bellen: Jaulen, Winseln, Brummen, Knurren, Fiepen, Quietschen und Japsen sind verschiedene Arten, in denen sich der Hund ausdrückt. Auch in der Körpersprache kann sich der Hund sehr unterschiedlich mitteilen: In seiner Körperhaltung, dem Blick und in seinen Bewegungen.

Diese vom Hund an uns ausgesendeten Signale gilt es zu erkennen und vor allem zu verstehen. Zudem müssen Hundehalter darauf achten, welche Signale sie bewusst oder unbewusst an den Hund senden – denn dieser kann weit mehr wahrnehmen, als man vielleicht meinen mag.

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