Einem Pferd das Steigen beibringen

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Ein steigendes Pferd – hochgereckte Vorderbeine, den Kopf himmelwärts gerichtet, die ganze Last des schweren Tieres auf den Hinterbeinen – ist wohl eine der schönsten und auch majestätischsten Übungen, die ein Pferd machen kann. Nicht umsonst findet man diese Stellung auch bei vielen Denkmälern, mit und ohne Reiter.

Bei allen Trainings und Übungen ist es erforderlich, dass die Rangordnung geklärt ist. Ein Pferd – ob Stute, Hengst oder Wallach – muss den Trainer als gleichberechtigten Partner anerkennen.

Nur ein Pferd kann ermessen, welches Vertrauen zu einem Menschen nötig ist, dass es sich trainieren lässt. Ein Pferd, von Natur aus ein Flucht- und Beutetier, ist darauf getrimmt, in Sekundenbruchteilen die Flucht zu ergreifen. Beim Steigen besteht die Gefahr, dass es rückwärtsfällt und damit einem möglichen Angreifer schutzlos ausgeliefert ist.

Ein Pferd zum Steigen bringen, erfordert vor allem: Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen

Das bedingt schon einmal Zeit. Es ist mit Sicherheit keine schnelle Übung, die dem Tier abverlangt wird. Zeit und Vertrauen: damit kann man Pferden auch Tricks beibringen, die sie sonst weniger gern machen.

Aber auch „Pferde sind nur allzu menschlich“ und haben nichts dagegen eine Bestechung in Form von Leckerli und Knabbereien anzunehmen. Schließlich wollen sie für diese außerordentliche Mühe auch belohnt werden.

Voraussetzungen, um mit dem Pferd zu üben

Neben Vertrauen, Zeit und Leckerli ist es auch noch die Umgebung, der Ort. Nicht zu warm oder zu kalt soll er sein. Der Boden eher weich und dem Tier nicht neu, also am besten in der eigenen Reithalle oder am Sandplatz. Letzteres aber nicht in der sengenden Sonne.

Methoden, um dem Pferd das Steigen beizubringen

Es gibt in der klassischen Schule einige Methoden, mit denen man dem Tier Tricks beibringen kann. Abhängig von der Einstellung und dem Zugang des „Lehrers“ werden diese dann zur Anwendung kommen.

Das Steigen mit aufgesessenem Reiter

Es gehört viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen dazu, als Reiter das Pferd zum Steigen zu bringen. Nicht nur wegen der Gefahr, dass es nach rückwärts umfallen kann, was auch für den Reiter nicht ganz ungefährlich ist.

  • Es gerät in der erhobenen Stellung auch leichter in Panik oder Wut, wenn es erschrickt oder abgelenkt wird.
  • Doch mit viel Geduld und Verständnis gelingt auch diese Übung.
  • In erster Linie ist dafür zu sorgen, dass die Ablenkung durch Zuschauer oder andere Tiere möglichst gering ist, auch ausreichend Platz.
  • Am besten in einer Halle – sollte vorhanden sein.

Nach einer Phase der Gewöhnung aneinander, wird der Reiter das Pferd zum Stehen bringen. Er achtet darauf, dass es ruhig und entspannt ist und lehnt sich dann im Sattel leicht nach hinten. Seine Schenkel üben leichten, aber bestimmten Druck auf die Flanken aus. Gleichzeitig zieht er dabei kurz an den Zügeln.

Kommandos erlernen

Für das ausgebildete Pferd sind das meist widersprüchliche Kommandos: an den Zügeln ziehen, bedeutet „stehen bleiben“, Druck in die Flanken dagegen „vorwärts gehen“.

Die Intuition des Pferdes führt dazu, dass es nun die Vorderbeine hebt und sein Gewicht auf die Hinterbeine verlagert. Gleichzeitig gibt der Reiter das Kommandowort, dass er für diese Übung verwenden will. Dadurch stellt das Tier die Assoziation zwischen verbalen und nonverbalen Befehlen her – und erwartet dann auch die dementsprechende Belohnung nach korrekter Ausführung.

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Das Steigen vom Boden aus Dirigieren

Wenn das Steigen aus dem Sattel gut läuft, kann der Trainer dazu übergehen, diese Übung vom Boden aus zu befehlen. 
Dabei wird er sich vor das Pferd stellen und eine Hand, die optimalerweise ein Leckerli hält, hochhalten. Gleichzeitig ruft er das erlernte Kommandowort. Um zum Leckerli zu kommen, wird das Pferd den Hals strecken und dabei die Vorderfüße vom Boden nehmen.

Es wird sich an die Übung erinnern, als es den Reiter getragen hat, und dann das Gewicht auf die Hinterfüße verlagern. 
Es ist für jeden Beobachter und auch den Trainer beeindruckend und Respekt einflößend, wenn sich das Tier vor einem aufrichtet. Vorsicht kann da aber nicht schaden.

Pferde brauchen weniger Führung, sondern mehr Partnerschaft

Ohne Zwang zu arbeiten, selbst als Trainer ein gutes Gefühl zu haben, den Spaß spüren, den auch das Tier hat, Gemeinsamkeit betonen, Ruhe ausstrahlen und auf die „Kunst der kleinen Schritte setzen: damit erzeugt ein guter Trainer auch „Gefolgschaft“ beim Pferd. Das ist Führungsarbeit in Reinkultur.