Pferd tritt aus – Was tun?

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Pferde gehören zu den Herdentieren. Das bedeutet, dass sie in freier Wildbahn natürlicherweise mit Artgenossen in einer Gemeinschaft mit festen Regeln zusammenleben, welche ihnen Sicherheit gibt.

So besitzt jede Herde ein Leittier – meist handelt es sich hierbei um eine ältere Stute –, welches die restlichen Herdenmitglieder vor Gefahren warnt oder die besten Futter- und Wasserstellen findet.

Da diese Art von Gemeinschaft nur funktionieren kann, wenn das Verhältnis harmonisch ist, sind Pferde von Natur aus meist auf Harmonie bedacht und sehr friedliebend, sodass es in wildlebenden, gefestigten Herden äußerst selten zu Aggressionen kommt. In der heutigen Zeit werden Pferde jedoch meist als Nutztier bzw. als Reittier gehalten.

Hierdurch leben sie oft mit anderen Pferden gemeinsam in Ställen oder auf Weiden, haben jedoch auch eine Beziehung zu Menschen. Sowohl im Umgang mit Menschen als auch mit Artgenossen kommt es gelegentlich zu Verhaltensproblemen seitens der Pferde.

Diese können sich unter anderem in Beißen und Schnappen oder auch in Austreten – nach Artgenossen oder Menschen – äußern. Nahezu immer liegen die Gründe hierfür nicht in der Persönlichkeit des Pferdes begründet, sondern in grundlegenden Problemen innerhalb der Beziehung Pferd-Pferd oder Pferd-Mensch. Ein Pferd tritt aus, wenn es erschrickt oder einen Drang zur Flucht verspürt.

Pferd tritt aus – Menschen

Verhaltensprobleme wie Austreten sind meist die Folge von Situationen, in denen das Pferd unsicher und verängstigt ist. Hierfür gibt es verschiedene Gründe:

 

In freier Natur ist ein Pferd nie von seinen Artgenossen getrennt. Als Reittier muss es jedoch für Training und Ausritte regelmäßig von seiner Herde getrennt werden. Dies kann vor allem zu Beginn eine Stresssituation für das Pferd darstellen, es fühlt sich alleine gelassen.

Insbesondere wenn noch keine gefestigte Beziehung zu seinem Reiter besteht, endet dies oft damit, dass das Pferd schnappt oder austritt, um bei seinen Artgenossen bleiben zu können.

Wie kann ich verhindern, dass mein Pferd in dieser Situation austritt?

Das Pferd muss vor allem Vertrauen fassen und lernen, dass ein zeitweises Entfernen von der Herde keine Gefahr bedeutet. Zum einen sollte man hierfür an der Beziehung zwischen Pferd und Reiter arbeiten. Des weiteren bietet es sich an, in kleinen Schritten zu arbeiten, die Entfernung somit Stück für Stück zu steigern.

Gibt es innerhalb der Pferdegemeinschaft ein anderes Pferd, mit dem es sich gut versteht, kann es auch hilfreich sein, zunächst beide Pferde gemeinsam aus der Herde zu führen. Dies gibt dem Angstpferd Sicherheit. Nämlich: Das Pferd tritt aus, wenn es in eine Angstsituation gerät.

Auch eigentlich harmlose Situationen können ein Auslöser für Austreten oder Schnappen sein. Diese Situationen sind für den Menschen nicht immer direkt ersichtlich. Alles, was ungewohnt ist, kann ein Pferd erschrecken, sei es eine Mülltonne am Straßenrand, eine wehende Fahne oder andere ungewohnte Gegebenheiten.

Wie kann ich verhindern, dass mein Pferd bei Erschrecken austritt?

Wichtig ist, dem Pferd zu zeigen, dass ihm in Gegenwart seines Reiters nichts zustoßen kann. Grundlegend hierbei ist ein bereits gefestigtes Vertrauen und in diesem möglichst ruhig und souverän mit dem Pferd zu agieren.

Pferd tritt aus – Artgenossen

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Kommt es zu Problemen innerhalb der Pferdegemeinschaft, wodurch ein Pferd austritt, liegt dies meist in der Gruppendynamik innerhalb der Herde begründet.

Im Normalfall lernen Pferde bereits als junges Fohlen spielerisch die Rangordnung einer Herde. In jeder Herde treten Ranghöhere und Rangniedrigere auf. Im Spiel untereinander lässt sich dies bereits bei Jungpferden daran erkennen, dass ein Pferd – das Ranghöhere – ein anderes Pferd – das Rangniedrigere – zu Boden drückt, in die Beine beißt oder es verfolgt. Auch Auskeilen und Tritte kann man hierbei beobachten.

Dies ist ein völlig normales Verhalten. Problematisch wird es jedoch, wenn ein Pferd von den anderen deutlich unterdrückt wird, dies kann sich in verstärktem Austreten und Auskeilen – sowohl gegenüber Menschen als auch Artgenossen – zeigen.

Auch hierfür gibt es unterschiedliche Ursachen:

  • Das Pferd wurde nicht sozialisiert: Wächst ein Pferd nicht mit Artgenossen auf, kann es seine Rolle nicht von klein auf lernen. Bereits im Fohlenalter bildet sich der Rang heraus. War dies jedoch nicht möglich, wird es dem Pferd später schwerfallen, sich in eine Gruppe einzufinden.
  • Zwei dominante Tiere treffen aufeinander: Treffen Pferde erst im Erwachsenenalter aufeinander, müssen sie ihren Rang erst festlegen. Solange dies ohne schwere Verletzungen abgeht und nicht von Dauer ist, ist dies ein normales Verhalten.

Problematisch wird es allerdings, wenn dieser Zustand andauert, wenn ein Pferd „gemobbt“ wird. In diesem Fall kann es nötig sein, eine neue Unterkunft – eine neue Herde – für das ausgegrenzte Tier zu suchen, da dieses sonst dauerhaft einem hohen Stress ausgesetzt würde, was meist die Ursache für aggressives Verhalten ist.

Was kann ich tun, wenn mein Pferd austritt? – Fazit

Das Wichtigste ist das Verständnis, dass Fehlverhalten wie Austreten, Schnappen oder Auskeilen lediglich Symptome und nicht das eigentliche Problem ist. Der Grund sollte immer gesucht werden, da eine wirkliche Besserung sonst unwahrscheinlich ist.

Die Gründe können vielfältig sein:

  • Fehlendes Vertrauen zwischen Pferd und Mensch
  • Probleme innerhalb der Herde (Ranghöhe)
  • Schlechte Erfahrungen des Pferdes aus der Vergangenheit
  • Überforderung des Pferdes (Erwartung zu schneller Fortschritte)
  • v.m.

Aus diesen Gründen sollte man das Pferd auch niemals bestrafen, da dies nichts an der eigentlichen Problematik ändert. Im Gegenteil, durch Strafen wie Schläge wird das Pferd zwar eventuell etwas gefügiger, jedoch leidet das Vertrauen dadurch so sehr, dass keine dauerhafte Änderung eintreten wird.

Somit sollten Ursachenforschung, das Verstehen des Pferdes und eine intensive Beschäftigung mit der Beziehung und dem Vertrauen zwischen Mensch und Pferd die ersten Schritte sein.

Zusätzlich sollte man als Reiter und Pferdebesitzer an der eigenen Autorität arbeiten. So wie Pferde untereinander verschiedene Ranghöhen akzeptieren, gilt dies auch für Menschen.

Da die ranghöchsten Leitpferde einer Herde nicht unbedingt die stärksten, sondern vor allem die erfahrensten sind, sollte man diese Erkenntnis umsetzen. Dies bedeutet, dass man souverän und bestimmt mit dem Pferd umgehen sollte, aber niemals durch harte Strafen eine Verbesserung erwarten sollte.