Notfall beim Haustier erkennen und richtig verhalten

Es gibt keine pauschal gültige Definition, wann es sich um einen tiermedizinischen Notfall handelt. Schon aufgrund der eigenen Betroffenheit fällt es Tierbesitzern oftmals schwer, einen medizinischen Notfall beim eigenen Tier zu erkennen und sich richtig zu verhalten. Bereits beim Menschen ist es oftmals schwierig, einen echten Notfall von einer zwar auffälligen und oftmals auch schmerzhaften, aber nicht bedrohlichen Situation zu unterscheiden. Bei Haustieren kommt erschwerend hinzu, dass man mit ihnen nicht annähernd so gut kommunizieren kann wie mit einem anderen Menschen. Aus tiermedizinischer Hinsicht gilt: Eine Routinebehandlung einer Erkrankung, an der das Tier bereits seit längerer Zeit leidet, gilt nicht als Notfall. Offensichtlich schwere Unfallverletzungen oder eine rapide Verschlechterung des Zustandes hingegen sind Notfälle, bei denen ein schnelles Handeln erforderlich ist. Die Abgrenzung fällt selbst Fachleuten nicht immer leicht, insbesondere bei alten oder chronisch kranken Tieren. Gerade bei Hund und Katze, also den liebsten Haustieren der Deutschen, gibt es aber durchaus Möglichkeiten, einen Notfall auch als medizinischer Laie zu erkennen.

Beispiele für Notfälle beim Hund

Typische Notfälle bei einem Hund sind Vergiftungen, Kreislaufversagen und Knochenbrüche. Zwar kommen all diese nicht sehr oft vor, trotzdem sind die Risiken mannigfaltig, denen ein Hund ausgesetzt sein kann. Ein Unfall, falsches Essen oder das Verschlucken von Rattengift können vorkommen. 

Vergiftungen sind insofern gefährlich, dass die typischen Symptome oft erst nach Stunden, manchmal sogar erst nach Tagen erkennbar werden. Wenn sich das Gift erst einmal im gesamten Organismus verteilt hat, kommt Hilfe aber oftmals zu spät. Auch die Experten der Tierkrankenversicherung von Petplan weisen auf giftige Gefahren im Umfeld des Hundes hin. Neben dem erwähnten Rattengift können auch Schneckenkorn oder Schokolade für den Vierbeiner lebensgefährlich sein. Gefahren können auch an vermeintlich unverdächtigen Stellen lauern: Putzmittel und giftige Zimmerpflanzen sollten sich nicht in Reichweite des Hundes befinden. Liegt (vermutlich) eine Vergiftung vor, muss die Hilfe eines Tierarztes in Anspruch genommen werden.

Verletzungen sind nicht immer eine Sache für die Tierklinik. Kleine Verletzungen können Hundehalter selbst versorgen. Verliert der Hund allerdings viel Blut oder leidet unter extrem starken Schmerzen, so wird dies als Notfall eingeordnet. Wenn der Hund nach einem Unfall, etwa einem Zusammenprall mit einem Auto, unverletzt erscheint, empfiehlt sich dennoch die Konsultation eines Tierarztes. Unter Umständen ist es hierbei zu inneren Verletzungen gekommen, die unbehandelt lebensbedrohlich sein können. 

Eine Magendrehung klingt außergewöhnlich, kommt aber insbesondere bei großen Hunden immer wieder vor. Insbesondere das ungestüme Toben nach dem Fressen kann unter Umständen gefährlich sein. Treten hierbei ungewöhnliche Symptome auf, sollte unbedingt tiermedizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. eine unbehandelte Magendrehung kann im Verlauf weniger Stunden zum Tod des Hundes führen. 

Bewusstseinsverlust ist nicht nur ein menschliches, sondern durchaus auch ein tierisches Risiko. Bei Hunden kann er ebenfalls vorkommen und ist immer ein medizinischer Notfall. Ursachen können etwa zuvor nicht diagnostizierte beziehungsweise unbehandelte Atemprobleme oder Herzbeschwerden sein. 

Auch ein Hitzschlag kommt bei Hunden immer wieder vor, insbesondere in der warmen Jahreszeit. Eine leider immer wieder vorkommende Ursache liegt darin, den Hund im heißen Auto warten zu lassen und dort zu vergessen. Aber auch das ausgiebige Toben in der heißen Mittagssonne ohne die wichtigen Trink- und Erholungspausen im Schatten kann schlimmstenfalls zu einem Hitzschlag führen. Hier unterscheidet sich der Hund also nur unwesentlich vom Menschen. Wenn ein Hitzschlag droht, sollte man schnellstens für eine Abkühlung und Erfrischung des Hundes sorgen. Wenn der Hitzschlag bereits eingetreten ist, kommt man an der tiermedizinischen Notfallversorgung nicht vorbei. 

Wie kann man einen medizinischen Notfall beim Hund erkennen?

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Am wichtigsten ist die Prävention: Wer die größten Gefahren kennt, denen ein Hund im täglichen Leben ausgesetzt ist, kann diese weitestmöglich reduzieren. Außerdem gilt es, den Hund stets im Auge zu behalten. Viele Gefahren lassen sich schon dadurch frühzeitig erkennen. Wenn Herrchen oder Frauchen den Giftköder gleichzeitig mit dem Hund entdeckt, kann man ihn vor dem Verschlucken bewahren. Und wenn der Hund großer Hitz ausgesetzt ist, muss man stets für Möglichkeiten der Abkühlung sorgen. Ebenfalls von immenser Bedeutung ist es, den eigenen Hund gut zu kennen. Natürlich beinhaltet dies keine tiermedizinische Untersuchung, dafür aber eine gute Beobachtung des Tieres.

  • Welches Verhalten zeigt der Hund, wenn es ihm gut geht?
  • Was frisst der Hund gerne und zu welchen Zeiten bittet er um Hundefutter?
  • Wie viel trinkt der Hund für gewöhnlich? (Auch abhängig von Wetter, Jahreszeit und Aktivitäten)
  • Wie ist die gewöhnliche Körpertemperatur des gesunden Hundes?
  • Wie schnell sind Ruhepuls und Herzschlag des Tieres?
  • Wie schnell und wie tief atmet der Hund?
  • Welche Farbe und Konsistenz hat der Kot des gesunden Hundes?
  • Wie sehen Zahnfleisch und Zähne des Hundes aus?

Ein kurzer Gesundheits-Check beim Hund kann alle paar Tage erfolgen und durchaus spielerischen Charakter haben. So gewöhnt sich der Hund an das Ritual und die Bindung zwischen Mensch und Hund wird intensiviert.

So erkennt man Notfälle bei der Katze

Nicht nur Hunde, sondern auch Katzen sind tagtäglichen gefahren ausgesetzt. Manchmal sogar noch im erhöhten Maße, denn Freigänger stehen bekanntlich nicht permanent unter der Kontrolle „ihrer“ Menschen. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, Gefahren frühzeitig zu erkennen und richtig zu reagieren. Auch hier ist eine genaue Beobachtung der Katze vonnöten, um abnormes von gewöhnlichem Verhalten zu unterscheiden. Wenn sich die Katze anders als üblich verhält, gilt es zuerst eine Art Checkliste durchzuarbeiten.

  • Wann und was hat die Katze zuletzt gefressen?
  • Welche Farbe und Konsistenz hat der Stuhlgang?
  • Wie sind Puls und Atemfrequenz der Katze?
  • Wie sehen die Schleimhäute aus?
  • Sind äußere Verletzungen wie Bisswunden, Verbrennungen oder andere Blutungen zu erkennen?
  • Gibt die Katze Schmerzlaute von sich oder verkrampft sie?
  • Erbricht die Katze?

So lassen sich die Ergebnisse dieses Checkups deuten

Um Abweichungen von der Norm zu deuten, muss man den Normalzustand kennen. Das bedeutet im Hinblick 

… auf die Schleimhäute:

Bei einer gesunden Katze sind diese blassrosa. Wirken sie blasser als üblich, kann dies auf Durchblutungsstörungen hindeuten (Schock?), während eine zu starke Rötung ein Hinweis auf eine Entzündung sein kann. Eine gelbliche Schleimhautfärbung ist ein Hinweis auf die Ablagerung von Gallenfarbstoffen und eine bläuliche Farbe deutet auf eine unzureichende Sauerstoffzufuhr hin.

… auf die Vitalwerte:

Eine gesunde Katze macht minütlich etwa 10 bis 30 Atemzüge und hat einen Puls von ca. 120 – 180. Die Körpertemperatur ist mit etwa 38 bis 39 Grad etwas höher als beim Menschen. Abweichungen können auf Erkrankungen hindeuten. Die folgenden Symptome erfordern eine sofortige Konsultation von Tierarzt oder Tierklinik.

  • Äußerliche Verletzungen wie Bisswunden, Augenverletzungen oder Verbrennungen
  • Schwere Unfallverletzungen wie Quetschungen, Autounfall oder Fenstersturz
  • Lähmungserscheinungen
  • Erhöhte Atemfrequenz oder Atemnot
  • Lang andauernde Schmerzäußerungen
  • Zunehmende Schwäche
  • Wiederkehrendes Erbrechen
  • Starke Blutungen, die sich nicht stillen lassen
  • Krampfanfälle
  • Kein Kot- oder Harnabsatz
  • Veränderte Schleimhäute
  • Verschlucken von Giftstoffen oder Fremdkörpern

Auch wenn es schwerfällt: Immer mit der Ruhe!

Niemand möchte einen Notfall seines tierischen Lieblings erleben. Vollkommen ausschließen lässt sich ein solcher allerdings nicht. Wer einen Notfall bei Hund oder Katze bemerkt, sollte allerdings unbedingt einen kühlen Kopf bewahren. Wenn alle Möglichkeiten der Selbsthilfe durchgeführt wurden, ist der nächste Schritt der Anruf beim Veterinär beziehungsweise der Tierklinik. Bei diesem Telefonat kann man die vorliegenden Symptome schildern, sodass sich die Fachleute im Bedarfsfall bereits auf die Situation vorbereiten können. Oft lassen sich auch vermeintliche Notfall-Symptome bei diesem Vorgespräch abklären. Manchmal genügt der telefonische Expertenrat bereits, um dem eigenen Tier selber helfen zu können. Nicht jeder vermeintliche Notfall ist auch einer – trotzdem ist es im Zweifel immer am besten, dies durch Fachleute bewerten zu lassen.

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